Straße, Mischtechnik, 2006

Geschichtenmaschinen

Der Raum als Bühne und Projektionsfläche mit doppeltem Boden, eine Geschichtenmaschine

Kulturell geprägte Räume spiegeln das Selbstverständnis von Menschen, ihre sozialen Beziehungen und ihre Versuche, sich die Welt anzueignen. Für Alfred Hitchcock die Gelegenheit, um in den Eingangsszenen seiner Filme Bühnen zu schaffen, die uns Betrachtende in ein deja-vue hineinzuziehen, um uns dann zu konfrontieren mit Emotionen, lauernden Abgründen und einer Irrationalität, die wir im Alltag zu ignorieren versuchen.

Bahnhof, Mischtechnik, 2005
Bahnhof, Mischtechnik, 2005
Café, Mischtechnik, 2009
Café, Mischtechnik, 2009

Hitchcock hatte dazu Impulse aus der Malerei der klassischen Moderne in Film und Dramaturgie übersetzt. Ich löste die Rückfahrkarte und gestaltete Farbräume, die wie Geschichtenmaschinen funktionieren: Sie illustrieren keine Geschichten, sondern wirken wie synthetisierte Geschichte und Initialzündungen für neue Geschichten.

Basar, Mischtechnik, 2006
Basar, Mischtechnik, 2006
Straße
Straße, Mischtechnik, 2006
Sauberes Sterben, Mischtechnik, 2005, 100 x 100 cm
Industrie, Mischtechnik, 2005, 100 x 100 cm

Je nach innerem und äußerem Abstand kristallisieren sich aus abstrakten Flächen plötzlich vertraute Assoziationen: Erinnerungen. Räume, die persönliche Erfahrungen symbolisieren. Fiktive Räume, in die wir unsere ziemlich realen Emotionen projizieren können. Umgekehrt brechen vermeintlich bekannte Konstellationen an einem gewissen Punkt der Betrachtung in sich zusammen. Räume brechen auseinander und lösen sich in Farbe auf. Der Blick strandet an perspektivischen und logischen Widersprüchen. Hinter dem Ausstieg aus der vertrauten Logik räumlicher Wahrnehmung beginnt das Reich der Freiheit, die Malerei, das eigene Leben und die Welt neu zu sehen.

Straße, Mischtechnik, 2006
Straße, Mischtechnik, 2006
Gestrandet – Die Mission des demokratischen Westen, Mischtechnik, 2005, 160 x 100 cm
Idealismus – gestrandet, Mischtechnik, 2005, 160 x 100 cm

Die „Storyboards“, Geschichtenmaschinen und Dämonenaustreibungen

In einem ununterbrochenen Strom hinterlassen Menschen malerische Spuren, Ausdruck ihres Versuches Ordnung vor allem in das innere Chaos zu bringen und die Dämonen zu bändigen, die unter der Oberfläche unseres Alltags und unseres Bewusstseins lauern. Seit über 40.000 Jahren entstehen so für Betrachter*innen vielschichtige Farbräume und Türen zu jenem inneren Resonanzraum, in dem Menschen sich selbst und ihrer Welt neu begegnen können. Aber dort lauern irrationale Düsternisse, Ausdruck unserer seelischen Schrunden, die wir längst meinten vergessen zu können.

Rahel weint, Mischtechnik, 2003, 170 x 130 cm
Rahel weint, Mischtechnik, 2003, 170 x 130 cm
ApollsTriumph – oder warum Kunst immer die Sieger ehrt, Mischtechnik, 2009, 70 x 100 cm
ApollsTriumph – Die Hure „Kunst“ ehrt stets die Sieger, Mischtechnik, 2009, 70 x 100 cm

Neben verloren geglaubten Schätzen menschlicher Erkenntnis finden sich emotionale Schreckensbilder und – Botschaften, die Teil unseres Erbes sind, von Eltern, Großeltern und längst vergangenen Generationen. Uns zumeist unbewusst eingeschrieben in die Seelen, färben sie unseren Blick auf die Welt. Oft habe ich mir vorgestellt, was mit all den Bildern von Grauen und Gewalt geschieht, die wir täglich aufnehmen, und dies seit Generationen. Vergiften sie nicht unser Inneres und unseren Blick auf Andere und die Welt?

Gott ist gut Isaak, Mischtechnik, 2008, 50 x 50 cm
Gott ist gut Isaak, Mischtechnik, 2008, 50 x 50 cm
Deutschland 20 00 Uhr, Mischtechnik, 2009, 115 x 150 cm
Deutschland 20 00 Uhr, Mischtechnik, 2009, 115 x 150 cm
Kinderträume, Mischtechnik, 2008, 50 x 50 cm
Kinderträume, Mischtechnik, 2008, 50 x 50 cm

Die Storyboards waren – und sind es manchmal noch heute – meine Form, die Dämonen der Vergangenheit und der Erinnerung auszutreiben. Deshalb sind sie nicht nur räumlich, sondern auch emotional doppelbödig, mit dem Abstand des Malens aber auch nicht selten von Ironie gebrochen. Was vertreibt Dämonen besser als Lachen? Und was untergräbt die Selbstinszenierungen von Macht, die nicht ohne Ausgrenzung, Herabsetzung und Gewalt gegen Andere auskommen, effektiver als beißende Ironie?

Leitkultur im Land der Dichter und Denker, Mischtechnik, 2007, 60 x 70 cm
Leitkultur im Land der Dichter und Denker, Mischtechnik, 2007, 60 x 70 cm
Dahoam is dahoam, Mischtechnik, 2019, 80 x 100 cm
Dahoam is dahoam, Mischtechnik, 2019, 80 x 100 cm
Wovor Throne und Altäre zittern –Die Büchse der Pandora, Mischtechnik 2005, 140 x 140 cm
Wovor Throne und Altäre zittern –Die Büchse der Pandora, Mischtechnik 2005, 140 x 140 cm

Die „Storyboards“ konfrontieren Bildfetzen aus Zeitungen und Filmen mit Bruchstücken der Kunstgeschichte. Aus der Energie von Konfrontation und Spannung von Skizzen und Schnitzeln in rätselhaften Konstellationen, entsteht eine Dynamik, die aus versteinerten Erinnerungen neue Fragen und neue Bilder entstehen lässt. Die Betrachtenden sind nicht Empfänger von Botschaften, sondern eingeladen, sich aktiv zu beteiligen durch immer neue Zusammenstellungen, in die sie die Bilder bringen können.

Punk oder Dämonenaustreiben, Mischtechnik, 2006, 70 x 80 cm
Punk oder Dämonenaustreiben, Mischtechnik, 2006, 70 x 80 cm
Samos wundersame Reise durch die Welt der Bilder, Mischtechnik, 2006, 70 x 80 cm
Samos wundersame Reise durch die Welt der Bilder, Mischtechnik, 2006, 70 x 80 cm
Weiß auf Schwarz geschrieben, Mischtechnik, 2005, 140 x 140 cm
Weiß auf Schwarz geschrieben, Mischtechnik, 2005, 140 x 140 cm

Die großformatigen „Storyboards“ verdichten die Collagen aus persönlichen Erinnerungs-, Assoziations- und Erkenntnisfetzen und Strandgut aus Medien und Kunstgeschichte noch dichter zu surrealen und fantastischen Räumen, aus denen mir nicht selten ein befreiend, anarchisches Lachen entsprungen ist, wenn wieder einmal einer der versteinerten Dämonen der Vergangenheit durch die Zauberkraft der Kreativität sich wandelte zur Comicfigur und allen Schrecken verlor. Gerade die surrealen Verdichtungen von ganz unterschiedlichen und „unpassenden“ Bruchstücken verhindern, dass simple Botschaften entstehen, die doch nur auf Missverständnisse beruhen würden. Statt dessen laden die Geschichtenmaschinen die Betrachtenden ein, sich selbst auf diese innere Bewegung des Bewusstwerdens und Schauens einzulassen: Eine Wanderung am Strand ihres eigenen Bewusstseins, an den die Brandung aus dem Unbewussten bunte Reste unserer kulturhistorischen Vergangenheit anschwemmt, aufgelesene Schätze menschlicher Erkenntnisse ebenso wie dunkle Erinnerungen an vergangenen Schrecken; Ein befreiendes Lachen; Und ein Deuten in die Weite eines Horizontes unter dem all das stattfindet.

Wenn der Sandmann kommt, Mischtechnik, 2017, 120 x 140 cm
Wenn der Sandmann kommt, Mischtechnik, 2017, 120 x 140 cm
von Fluchthelfern und kleinen Auferstehungen, Mischtechnik, 2009, 80 x 100 cm
von Fluchthelfern und kleinen Auferstehungen, Mischtechnik, 2009, 80 x 100 cm
Matthew Shepard oder das letzte Gericht
Matthew Shepard oder das letzte Gericht

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